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Hase, Sonne, Mond und Meer

wildes zelten, familie auf radreise, mallorca
Mallorca - paradiesisch

 

Ein überfahrener Hase liegt tot auf der Strasse und ich fahre mit Uma langsam an ihm vorbei.
Uma: »Oh, wie schön und wie traurig. Schön, dass man dem Hasen nun über das weiche Fell streicheln kann und traurig, dass er jetzt tot ist.»

Das nächste Naturereignis erleben wir auf Mallorca, etwa 3 km südlich von Can Picafort am Strand von Son Real. Es ist aber für einmal nicht der Strand und das Meer, das uns fasziniert, es sind diesmal viel mehr die Sonne und der Mond, die uns in ihren Bann ziehen.

Wir schlafen ohne Zelt am Strand und steigen mit der Sonne in die Nacht, die sich selber mit einem feuerroten Spektakel verabschiedet. Gleich darauf wird’s dunkel – aber nur für einen kurzen Moment, denn der angekündete Vollmond steigt über die südöstlich gelegene Bergkette an den klaren Himmel. Der Mond ist so gross und schön, dass wir ihn die ganze Nacht über immer mal wieder bestaunen müssen. Noch im Dunkeln verabschiedet er sich als goldener Teller hinter der Insel, etwa dort, wo sich am Abend auch die Sonne verabschiedet hat.Aber wir kommen gar nicht aus dem Staunen, da lässt die Sonne schon ihr Farbenspiel auf der gegenüberliegenden Bergkuppe vorausschicken, um bei Dämmerung endlich selber über die Krete zu steigen. Sie trocknet unseren feuchten Schlafsäcke und Mättelis im Nu und den ganzen Tag über scheint sie mit voller Kraft auf uns herab, dass wir Schutz unter unserem Tarp oder im Meer suchen. Erst am Abend lässt sie uns nochmals mit voller Farbpalette grüssen und uns zu Ruhe und Abkühlung kommen.

Weil wir in der genannten Nacht so nass geworden sind, stellen wir diesen Abend das Zelt auf. Gerade als wir hineinschlüpfen wollen, erscheint wieder der Mond über der Bergkrete und wünscht uns schöne Träume. Aber als ob er es nicht lassen kann, uns auch diesmal mitten in der Nacht zu wecken, schaut er irgendwann genau durch das kleine Fenster im Zelt und lässt mich kurz wach werden. Da der Mond jeden Tag ca. 50 min später unterwegs ist, ist es schon hell, als er sich ganz blass und weiss hinter der Insel verabschiedet.

Wir fahren einen Tag weiter und an einen nächsten Strand, der hinter der Bergkuppe liegt und östlich ausgerichtet ist, um das nächste Mondspektakel zu erleben. Dieses Mal sehen wir den Mond gleich von Beginn an aus dem Meer steigen. Er ist feuerrot! Gleich danach verschwindet er auch schon wieder, da sich eine Wolkenkette über dem Horizont befindet. Auf dem Weg durch die Wolken sehen wir ihn noch zwei weitere Male komplett verschwinden, bis er dann in goldigem Kleid in den offenen Himmel steigt. Fast so, als hätte er sich hinter den Wolken erst noch umziehen müssen. Weil wir so müde sind, schlafen wir aber gleich darauf im Sand ein.

Was wir in dieser Nacht noch für ein Naturspektakel erlebt haben erzählt euch das Meer, wenn ihr seinen Wellen gut zuhört.

 

Und hier auf der Finca, von der aus ich zwei Tage später schreibe, lebt ein Geko unter dem Kühlschrank und lässt sich mit Insekten füttern. Wir nennen ihn Herr Edesa.